STIMMEN ZUM FILM

  • ZEIT EINER MUTTER - CZAS MATKI  (1981)

Erregend leise (...) der meiner Meinung nach beste bundesdeutsche Film im internationalen Programm: Barbara Lipinska-Leidingers "Zeit einer Mutter". In dem Porträt der Mutter einer in Düsseldorf lebenden Polin erhebt sich die Faszination der Filmsprache zum Erlebnis der Wahrnehmung. Sehr innig und doch glaubwürdig, distanziert von kitschigen Sentimentalitäten ist dieser Film einer Regisseurin, die ihr Handwerk in einem Amateurfilmklub in Warschau erlernte. Die Dozenten unserer Filmhochschulen sollten dort in die Lehre gehen, um zu begreifen, wie man Bilder entdeckt und umsetzt.

Michael Schmitz /  WAZ 8. Mai 1981 /  Kurzfilmtage Oberhausen

Barbara Lipinska-Leidinger hat ein lyrisches Filmpoem geschaffen, das - jenseits vertrauter Kategorien wie Spielfilm oder Dokumentarfilm - Polistisches und Höchstpersönliches umschreibt, Vergangenheit und gegenwart ineinanderwebt und sich damit in eine Tradition  einreiht, die durch Namen wie Marguerite Duras und Alain Resnais gekennzeichnet ist.

Hartmut W. Redottée / Dokumentation Oberhausen 1981

  • LANG-ZEIT: Begegnungen in einer Anstalt (1985)

Den wohl eindruckvolsten Dokumentarfilm drehte Barbara Lipinska- Leidinger. In "Lang-Zeit" wich sie von der sonst üblichen "Fall-Studie" ab. Durch Einbeziehung der Wunschträume jener drei Frauen und zwei Männe, die sie in einer Psychiatrie  über sich und ihr Leben erzählen ließ, gelang es ihr, mit großem Einfühlungsvermögen neben dem Schicksal auch den Menschen zum Mittelpunkt des Filmgeschehens zu machen.

Volker Strommenger/ Neue Ruhr-Zeitung 22. April 1985 / Kurzfilmtage Oberhausen

  • DAS WIEDERSEHEN DER ZOFIA K. (1989)

Heimat ist ein deutsches Wort, das nur schwer in eine andere Sprache zu übersetzen ist, obwohl es ein Gefühl, eine Zuneigung beschreibt, die nicht typisch deutsch ist. Die Warschauerin Zofia K. , 1944 als Zwangsarbeiterin nach Deutschland verschleppt und seit den 50. Jahren in der Westfälischen Klinik lebend, kehrte nach 45 Jahren in ihre Heimatstadt Warschau zurück - als Besucherin. Barbara Lipinska-Leidinger, 1953 in Warschau geboren, hat "Das Wiedersehen der Zofia K."  zum Thema ihres dritten längeren Filmes gemacht.

Es ist ein bemrkenswert schöner Film, obwohl die Kamera einem Menschen folgt,  der ein Stück zurück in seine Vergangenheit geht. Barbara Lipinska-Leidinger gelingt eine Gradwanderung. Sie vermeidet die fürsorgliche Belagerung ebenso wie eine voyeuristische Bloßstellung. Sehr behutsam und nie aufdringlich nähert sich die Filmemacherin einer Frau, deren Würde in keiner Sekunde angetastet wird.

Neue Westfälische 6.September 1989

(...) bei der hochsensiblen, selbstkritischen Regisseurin, die reflektierend, aber ohne überhebliche Distanz ihre Themen angeht, ist die Geschichte dieser außergewöhnlichen Reise gut aufgehoben. Wer ihren Film "Lang-Zeit : Begegnungen in einer Anstalt " aus dem Jahre 1985 gesehen hat (...) weiß, wovon hier die Rede ist: äußerste kommentarische Zurückhaltung, dafür eine unpretentiöse, sprechende Kamera, die lange auf Händen und Gesichtern verweilen kann, ohne sie zu beschädigen, bloszustellen.

Die Glocke 1.September 1989

  • DOBRANOC - GUTE NACHT (1992)

Der Film vermittelt in kurzen 13 Minuten eine ungeheuer eindrucksvolle Begegnung mit der Einsamkeit und Verlorenheit polnischer Weisenkinder. Barbara Lipinska-Leidinger und ihr Kameramann Józef Romasz  ziehen de Betrachter in den Bann des Betroffenseins, in diese spürbar kalte Atmosphäre  der Beziehungsarmut  und Isolation. Man erlebt die kleinen Gestalten bei der Vorbereitung auf die Nacht, die Zeit vor dem Einschlafen. Keine Geschichte, kein Gute-Nacht-Kuß mildert den Moment, wo die Kinderseele am empfindlichsten ist. Die Betreuer ziehen mit lautem Gerassel die Bettgitter hoch, fordern mit schneidender Stimme Ruhe. Im Traum stellt Barbara Lipinska-Leidinger die unterdrückten Ängste und Sehnsüchte nach Liebe und Befreiuung dar, der regelmäßige Atem eines schlafenden Kindes  scheint der intensive Gegenpol zum grausamen Alltag.

Die Glocke 24. /25. Oktober 1992

  • GESICHT DER ZEIT: ARBEITSLOS (1992)

Der Film pokert nicht mit dem Mitleid der Zuschauer. Er plaidiert unaufdringlich dafür, die Wahrnehmung für diejenigen zu weiten, die am Rande der Gesellschaft stehen. Der Film ist im besten Sinne eine Aufforderung zur Kommunikation.

Alexandra Jacobson /Neue Westfälische 17.Juni 1992

  • WAS UNS BLEIBT... (1995)

Still war es im Kinosalaal, als der Abspann lief. Erst als das Licht anging, kam langanhalteder Beifall auf. Bewegtheit und Betroffenheit waren im Publikum spürbar. Der Film dokumentiert in insgesamt 90 Minuten die Arbeit einer Schüler AG der Anne-Frank-Gesamtschule, die sich auf die Spuren zweier jüdischer Familien begeben hatte, deren Kinder auf dem jüdischen Friedhof  in Gütersloh begraben sind: die Recherchen brachten schließlich die Geschichte von mehr als 800 jüdischen Zwangsarbeiterinnen zutage, die Ostern 1945  bei Kaunitz von ihren Peinigern befreit worden waren. Von der Spurensuche der Schüler erzählt der erste Teil des Films. Bilder, die die Schüler bei Recherchen und Gesprächen zeigen, wechseln mit Rückblenden auf alte Fotos und Dokumente. So wird ständig eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart geschlagen. Viel Raum nimmt die Diskussion um ein von der Schüler-AG geplantes Mahnmal ein. Originaltöne aus einer Bürgerversammlung, während der sich viele Kaunitzer vehement gegen die Errichtung eines Mahnmals aussprechen, sind zu hören. Alles bleibt unkommentiert. Barbara Lipinska-Leidinger beschränkt sich auf das Betrachten, läßt Bilder und O-Töne für sich sprechen.

"Jüdische Frauen am Ort ihrer Erinnerungen" ist der zweite Teil des Films überschrieben. In eindringlichen Bildern, die Emotionen Raum geben, dokumentiert die Filmemacherin den Besuch  von 13 der ehemaligen Zwangsarbeiterinnen in Gütersloh im Jahre 1993. Die Kamera begleitet die Frauen, wenn sie in ihre  ehemaligen Arvbeitsstätte in Lippstadt sowie nach Kaunitz zurückkehren. Erzählungen und Erinnerungen der Frauen an ihre Leidenszeit stehen im Mittelpunkt.  Der Film wird so zu einem  eindringlichen Zeitdokument. Zu sehen sind Szenen aus einem Film, der amerikanische Soldaten 1945 in Kaunitz drehten. Die Gesichter von sehr jungen Frauen  sind darin zu sehen - Szenen, deren Authentizität stark berührt.

Barbara Lipinska-Leidinger läßt n ihrem Film alle Seiten zu Wort kommen, macht keinen Versuch, zu moralisieren. Was uns bleibt nach diesem Film ist, das Geschehene nicht zu vergessen, sondern zum Anstoß zu nehmen, so etwas nicht noch einmal möglich werden zu lassen.

Elke Hänel / Westfalen Blatt 13./14.Mai 1995

"Wie lange können wir noch erzählen?" nennt eine der Frauen im Gespräch ihren Beweggrund, nach Deutschland zu kommen. Das ist es: Dieser Film wird noch wertvoller werden mit der Zeit.

Susanne Zimmermann / Die Glocke 11. Mai 1995

 

 WEITERE STIMMEN FOLGEN IN KÜRZE>>>>>>>>>